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Kindle Fire: Amazon Tablet = iPad Killer? Auch neu: Kindle Touch

Nicht einen, zwei oder drei – gleich vier neue Kindle Modelle hat Amazon heute vorgestellt.

Neu im Angebot: Der Kindle, Kindle Touch, Kindle Touch 3G sowie der Kindle Fire.
Leider ist in Deutschland derzeit nur der Kindle für 99 Euro bestellbar, die anderen neuen Modelle bleiben vorerst den amerikanischen Kunden vorbehalten.
Der kleine Kindle kostet in den USA 79 Dollar, was derzeit knapp 60 Euro entspricht. Dafür muss man allerdings Werbung als Screensaver erdulden. Ohne Werbung liegt der kleine Kindle bei 109 Dollar. Da die in Deutschland verkaufte Version ebenfalls ohne Werbung ausgeliefert wird, muss man fairerweise eingestehen, dass der Preisunterschied dann nur bei 20 Euro liegt – was zum größten Teil der deutschen MwSt. geschuldet ist.
Als nächstes Modell hätten wir den Kindle Touch. Leider derzeit NUR in den USA erhältlich, ist dieses Gerät kurz und knapp wie folgt beschrieben: kostet zwischen 99 und 189 Dollar und ist im Prinzip der “alte” Keyboard Kindle – nur mit Touchscreen statt Keyboard. Es gibt diese Version wahlweise mit Werbung und 3G (also in vier Varianten).
Der Kindle mit Keyboard bleibt übrigens auch weiterhin im Angebot.

Der Knaller: Der neue Kindle FIRE für 199 Dollar = ein iPad Killer?

Leider ist auch dieses Modell derzeit nur in den USA erhältlich und wird dort ab dem 15. November ausgeliefert. Es handelt sich hierbei um ein Tablet PC mit 7″ Multi-Touch IPS-Display und schnellem Prozessor… doch bevor ich auf die technischen Details eingehe, erst mal das wichtigste zur User Experience:
Der Kindle Fire ist ein kleines Medienwunder und erlaubt vollen Zugriff auf die ganze Welt der Amazon Medien. Damit gemeint sind neben Büchern auch Musik, Filme und TV Inhalte. Darüber hinaus natürlich auch eigene Daten aus der Amazon Cloud. Und Cloud ist auch generell das richtige Stichwort: Denn mit dem Kindle Fire verschwimmen nun erstmals die Grenzen zwischen Cloud und Gerät. Amazon sagt: “Forget about memory” denn die Amazon Cloud Dienste sind voll integriert. Kostenlos in der Cloud gespeichert werden alle bei Amazon digital erworbenen Inhalte. Für eigene Inhalte kann man auf das Cloud-Drive zurückgreifen, was in der Basisversion mit 5GB ebenfalls kostenlos zur Verfügung steht.
Amazon Prime Mitglieder genießen in den USA kostenfreien Zugriff auf 10000 populäre Filme und TV Inhalte. Darüber hinaus gibt es gegen Bezahlung Zugriff auf über 18 Millionen Inhalte (Filme, TV, Musik, Magazine, Bücher).


Natürlich kann man mit dem Kindle Fire auch im Internet surfen. Auch hier gibt es eine kleine Sensation: Amazon hat einen eigenen Browser namens Silk entwickelt, welcher in der Lage ist, dynamisch Inhalte auf dem Gerät selbst oder im Amazon Rechenzentrum für die Darstellung aufbereiten zu lassen. Ergebnis soll ein ultra schneller Seitenaufbau sein – vergleichbar mit einem modernen Computer an einer Breitbandleitung. Wie das dann in der Praxis aussieht, muss sich erst noch zeigen. Doch es ist durchaus denkbar, dass der Kindle Fire das iPad in dieser Disziplin in seine Schranken verweist und ein besseres Surferlebnis ermöglicht. Silk geht weit über das hinaus, was man mit einer einfachen Komprimierung erzielbar wäre (derartige Ansätze gibt es schon seit Jahren in Nischenprodukten). Silk lernt von seinem Nutzer und weiß oft, was der Nutzer vermutlich als nächstes tun wird. Die Daten werden von Amazon auf ähnliche weise generiert wie die Produktempfehlungen. Der Vorteil dieses Wissens: Solche Seiten können bereits vorab geladen werden und stehen dann ohne Wartezeit zur Verfügung. Denkbar ist dies z.B. bei den Artikeln einer News Seite. Die Wahrscheinlichkeit, dass dort der Aufmacher gelesen wird, ist denke ich ziemlich hoch. Ich bin jedenfalls gespannt wie das ganze in der Praxis aussieht. Ein kritischer Gedanke dazu: Im Gegensatz zu komplett autonom arbeitenden Browsern bedeutet die hier gewählte Cloud-Integration natürlich auch: Alle Daten zum Surfverhalten und viele ausgetauschte Daten laufen über die Server von Amazon. Man kann sich also darauf einstellen, beim Online Shoppen passende Produktempfehlungen nicht mehr nur aufgrund des Verhaltens auf Amazons eigenen Seiten zu erhalten, sondern evntl. auch aufgrund des Surfverhaltens im gesamten Web.
Apps: Auch ein Appstore gibt es im Kindle Fire, doch um hierzu was zu sagen ist es wohl noch zu früh. Keiner weiß derzeit, wieviele Apps dort zu Beginn verfügbar sein werden. Angry Birds und Plants vs. Zombies sind allerdings dabei ;) .

Kindle Fire vs Apple iPad2 … Technik

Es handelt sich beim Kindle Fire um ein Tablet PC mit 7″ Multi-Touch Display, Dual Core Prozessor und 8 GB Speicher. Das Gerät wiegt 413g und das Display hat eine Auflösung von 1024 * 600 Pixeln.

Kleiner Vergleich zum iPad2: Das iPad2 ist 2,6mm dünner (8,8mm vs 11,4mm), ansonsten aber höher und breiter. Bedingt ist das vorallem durch das mit 9,7″ deutlich größere Display des iPads, was allerdings auch das Gewicht auf 601g hochtreibt. Der Kindle Fire ist also 188g leichter. Die Auflösung der iPads ist nur geringfügig höher (1024*768 vs 1024*600). Zu beachten ist hier insbesondere das Seitenverhältnis: Der Kindle Fire ist quasi ein 16:9 Gerät während das iPad ein klassisches Seitenverhältnis von 4:3 hat. Das bedeutet: Beim Kindle fallen die schwarzen Balken bei den meisten Videoinhalten weg – man sieht vom Film genauso viel wie auf dem iPad nur ohne schwarze Balken. Im Gegensatz zum iPad2 verfügt der Kindle nur über 8GB Speicher, allerdings wird hier von Anfang an voll auf die Cloud gesetzt. Wie das funktioniert, wenn mal kein WLAN vorhanden ist, wird sich noch zeigen müssen … denn auch 3G ist im Kindle Fire nicht verfügbar. Auch auf Kameras muss man übrigens verzichten.

 

Fazit

Mit dem Kindle Fire steigt Amazon ein ins Tablet-PC Rennen. Und gleichzeitig ist Amazon der erste Anbieter, dem ich zutraue, Apple zumindest ein bisschen gefährlich zu werden. Dafür sorgt nicht nur der aggressive Preispunkt des Kindle Fire, sondern vielmehr die Konzeption als „Medienkonsum-Tablet“ mit einer tiefen Integration in die Amazon Welt bzw. Wolke. App-technisch kann das iPad evntl. mehr – aber bei den Inhalten kann Amazon bereits von Beginn an den Ton angeben. Das ist gut für uns (die Kunden), denn mit zwei Major-Playern gibt es dann endlich auch mehr Wettbewerb. Schon am Konzept des Kindle Fire sieht man: Amazon setzt darauf mehr Inhalte zu niedrigen Preisen zu verkaufen und bietet für Prime Mitglieder sogar tausende Filme kostenlos an. Apple hingegen konnte den iTunes Erfolg bislang noch nicht vom Musikbereich auf die Bereiche Filme, TV und Bücher übertragen. Entsprechende Angebote sind zwar vorhanden, die Attraktivität selbiger lässt aber zu wünschen übrig. Und als letzter Baustein zum Erfolg: Wenn der Amazon Silk Browser hält, was er verspricht, wird der Kindle Fire der erste Tablet PC sein, der auch komplexe und Flash überladene Websites in der Geschwindigkeit eines Desktop PCs anzeigen kann.
Bleibt die spannende Frage: Wieviele Kindle Fire werden anstatt eines iPad in den USA dieses Jahr unterm Weihnachtsbaum liegen?

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